Kaufst du (deinen) Zwillingen die gleichen Geschenke?

Ganz ehrlich – Festtage waren für mich als Kind vor allem wegen der Geschenke super aufregend – besonders an Weihnachten! Stunden vor der Bescherung durften meine Geschwister und ich meist unsere Zimmer nicht verlassen. Wir spekulierten eifrig, was wir wohl bekommen und welche Wünsche erfüllt werden würden. Die Vorfreude war riesig! Dann kam der Moment auf den wir so lange gewartet haben – die Tür zum Weihnachtszimmer öffnete sich. Tannenduft strömte uns entgegen und vor uns stand der große, mit Kugeln und Strohsternen geschmückte, hell beleuchtete Weihnachtsbaum. Unter ihm lag ein Berg voller Geschenke, schließlich sammelte sich bei sechs Personen einiges an. Wir trällerten Weihnachtslieder und unsere Mutter las uns Weihnachtsgeschichten vor. Danach hieß es Geschenke verteilen und auspacken.

Meine Schwester und ich achteten stets akribisch darauf, wer welches Geschenk zuerst auspackte und in welcher Geschwindigkeit. Schließlich wussten wir, dass wir meistens die gleichen Geschenke bekamen, die sich höchstens mal von der Farbe oder bei Büchern vom Band unterschieden. Wenn eine von uns schneller war, verdarb dies die Überraschung für die Andere. Also musste alles synchron ablaufen. Es sei denn, wir bekamen ein gemeinsames Geschenk, das wir uns teilen mussten, wie Gesellschaftsspiele. Dann ging es um Schnelligkeit, nämlich wer von uns beiden als erstes den Inhalt sehen konnte.

Das wir größtenteils immer die gleichen Geschenke bekamen machte mir in der Kindheit nicht so viel aus – zumindest erinnere ich mich nicht mehr daran, dass es mich mal gestört hätte. Schließlich kannte ich es seit der Geburt nicht anders. Meine Schwester und ich waren es gewohnt zu allen Anlässen wie Geburtstag, Ostern, Weihnachten genau die gleichen oder sehr ähnliche Dinge zu bekommen, auch von unseren Verwandten oder Freunden. Das war normal für uns!

Gleiche Geschenke sorgten jedenfalls dafür, dass es bei uns zu Hause vieles in zweifacher Ausführung gab. Sehr zum Leidwesen meiner jüngeren Geschwister, die von uns Älteren vieles übernehmen mussten. War endlich mal etwas kaputt, wurde die Chance auf was Neues gleich zunichte gemacht, da es noch ein weiteres davon gab.

Vor- und Nachteile gleicher Geschenke

O.k., gleiche Geschenke zu haben kann auch Vorteile für Zwillinge haben z. B.:

  • Es gibt keinen Streit untereinander, wer wann womit spielen darf.
  • Bei Buchbänden hat man schneller eine ganze Reihe vollständig; genauso wie bei den Spielsets von Lego und Playmobil.
  • Wenn einer etwas nicht wiederfinden kann, nimmt er sich einfach das des Anderen und behauptet, es ist das Eigene.

Aber es bringt leider auch einige Nachteile mit sich, wie z. B.:

  • Es gibt viel weniger Spielvarianten.
  • Die Kinder haben nichts wirklich Individuelles, das nur ihnen alleine gehört.
  • Sie können sich nichts untereinander ausleihen und lernen es auch nicht.
  • Sie wissen nicht, was sie persönlich mögen, weil sie sich oft an den Geschmack oder die Idee des dominanteren Geschwisters richten.

Ich weiß, dass es für Eltern von Zwillingen anstrengender ist, sich um verschiedene Geschenke Gedanken zu machen. Es kostet mehr Zeit sie zu besorgen und Eltern möchten nicht, dass eines der Kinder enttäuscht ist, weil es das Geschenk des Zwillingsgeschwisters einfach schöner findet. So etwas kann sehr nervenaufreibend sein und ein Fest schnell zum Kippen bringen. Es ist belastend, wenn sich die Beiden um Dinge streiten, sodass es oft zunächst für mehr Ruhe sorgt das Gleiche zu schenken.

Streit unter Zwillingen

Dabei ist Streit unter Zwillingen durchaus wichtig, weil dadurch ihre eigene Identitätsentwicklung gefördert wird. Wir lernen durch Streiten für eine Sache, die uns wichtig ist, einzustehen. Dass wir uns unterscheiden, weil wir andere Meinungen und Geschmäcker haben. Dürfen wir uns nicht streiten, weil es uns verboten wird oder Situationen, in denen es zum Streit kommen kann, von vornherein vermieden werden (z. B. durch gleiche Geschenke), bleiben wir in unserer harmonischen Zwillingseinheit. Das kann wiederum dazu führen, dass wir in späteren Jahren schwer feststellen können, was wir eigentlich mögen und was nicht.

Dies ist einer der Gründe, warum wir Zwillinge häufig schlecht Entscheidungen treffen können: Ohne unser Geschwister wissen wir oft nicht, was uns gefällt. Wir haben nicht gelernt, uns für eigene, unterschiedliche Dinge zu interessieren und für sie einzustehen.

Natürlich bedeutet das nicht, dass Zwillinge nicht doch etwas gemeinsam besitzen können. Dies sollte jedoch nicht überwiegen. Denn nur durch unterschiedliche Dinge lernen sie, dass es etwas gibt, das nur ihnen gehört, was ebenfalls zur Entwicklung einer eigenen Identität beiträgt.

Hier meine 5 Tipps, was du tun kannst:

  1. Beginne so früh wie möglich – am besten von Geburt an – den Kindern unterschiedliche Sachen zu schenken, sodass sie von Anfang an gewohnt sind, jeweils andere Dinge zu besitzen und zu erhalten.
  2. Sorge auch bei Verwandten und Freunden dafür, dass sie deinen Kindern verschiedene Dinge schenken.
  3. Ermutige deine Kinder immer wieder unterschiedliche Wünsche zu äußern.
  4. Achte auf feine Unterschiede bei den Kindern und fördere die jeweiligen Interessen, dann entstehen unterschiedliche Geschenkwünsche von ganz alleine.
  5. Gehe bei Streitereien um Spielsachen wie mit anderen Geschwistern vor. Verlange nicht, dass sie sich vertragen sollen oder nicht streiten dürfen, nur weil sie Zwillinge sind.

Welche Erfahrungen hast du gemacht als Eltern oder Zwilling? Teile sie gerne mit uns in den Kommentaren!

Über welche Zwillingsthemen möchtest du gerne mehr erfahren? Schreibe mich einfach an: info@ilkapoth.de

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